Hof Nr. 56: Knogl, Liebl, Prebeck und Mühlbauer
Für Hof Nr. 56 ist 1536 Jörg Knogl belegt. 1577 hatten Jakob Knogl und Barbara Leibrecht auf den Hof und eine Sölde. Im frühen 17. Jahrhundert erscheint die Familie Liebl. Nach den Zerstörungen der Schwedenzeit gelangte der Hof 1653 für 900 Gulden an Andreas und Apollonia Prebeck.
Die Familie Prebeck prägte den Hof über mehrere Generationen. 1779 wurde der ganze Hof bei der Übergabe an Joseph Prebeck auf 1158 2/6 Gulden geschätzt. 1843 umfasste der Besitz 302,62 Tagwerk. 1866 übernahm Alois Prebeck dieselbe Fläche für 27.000 Gulden.
Danach wurde der Besitz schrittweise verkleinert. 1870 gingen 46,21 Tagwerk ab, darunter große Waldflächen am Zellberg. Es folgten weitere Verkäufe und Besitzerwechsel. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gelangte der Hof an die Familie Mühlbauer. 1923 wurde er für 15.054.500 Mark an Xaver Mühlbauer übergeben – eine Zahl, die vor dem Hintergrund der damaligen Inflation gelesen werden muss.
Hof Nr. 57: Välckl, Karl, Lehner, Pongratz und Batzer
Auf Hof Nr. 57 ist 1536 zunächst Erdl genannt. 1577 hatten Sebastian Välckl und Barbara Leibrecht auf ein Lehen. Nach mehreren familiären Übergängen erscheint ab der Mitte des 17. Jahrhunderts die Familie Karl. Paul Karl, Johann Carl und weitere Generationen führten den Hof bis ins 18. Jahrhundert.
1759 heiratete Mathias Lehner die Hoferbin Magdalena Karl. Der Hof wurde damals auf 600 Gulden geschätzt. Über deren Sohn Johann Lehner und dessen Tochter Anna kam der Besitz zur Familie Pongratz. Im 19. Jahrhundert folgten Verkäufe und Tausche, später die Familien Kraus, Ebner und Batzer. 1953 wurde der Hof an Josef Batzer überlassen.
Unterkanetsberg Nr. 59
Für Unterkanetsberg ist 1536 Veit Kraus belegt. 1578 besaß Leonhard Mair ein Leibgeding für sich, seine Ehefrau Magdalena und zwei Kinder. Zum Lehen gehörten eine hölzerne Behausung, Stadel, Tenne, Getreidekasten, Stall und Backofen.
Später erscheinen die Familien Liebl und Preböck. 1866 übernahmen Johann Liebl und seine Braut Kreszenz Kraus den Hof mit 90,21 Tagwerk für 8000 Gulden. 1909 wechselte der Besitz zunächst an Alois und Franziska Aichinger und anschließend durch Tausch an Karl und Kreszenz Mühlbauer. 1950 erfolgte die Übergabe an Ludwig Mühlbauer und Katharina, geborene Hacker.
Frauen, Familiennetzwerke und Besitz
Die Hofgeschichte wurde nicht nur von männlichen Hofbesitzern geprägt. Frauen brachten Vermögen und Rechte in Ehen ein, wurden Hoferbinnen, führten Besitz nach dem Tod ihrer Männer weiter und waren Vertragspartnerinnen bei Verkäufen und Übergaben. Maria Liebl, Apollonia Prebeck, Magdalena Karl, Anna Lehner und Maria Batzer sind nur einige Beispiele.
Heiraten verbanden den Oberkanetsberg mit Bernried, Edenstetten, Berg, Buchet, Weibing, Grub, Medernberg und zahlreichen weiteren Orten. So entstand ein dichtes Netzwerk aus Höfen, Familien und Dörfern. Die Besitzerlisten sind deshalb nicht nur eine Abfolge von Namen, sondern ein Bild regionaler Beziehungen.
Was die Zahlen erzählen
Die Quellen nennen Hofwerte in Gulden und Mark sowie Flächen in Tagwerk und Hektar. Diese Angaben lassen sich nicht ohne Weiteres über Jahrhunderte vergleichen. Sie zeigen jedoch, wann Höfe geteilt, verkleinert, getauscht oder neu bewertet wurden. Besonders deutlich wird der Wandel bei Hof Nr. 56, dessen Fläche sich im späten 19. Jahrhundert stark verringerte.
Gemeinsam ergeben die drei Hofgeschichten ein Bild von großer Kontinuität und ständigem Wandel. Familien kamen und gingen, Flächen wurden verändert und Gebäude neu errichtet. Der Ort selbst blieb über Jahrhunderte ein landwirtschaftlich geprägter Lebensraum.